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11.3.26 Am "Nordkap" der Türkei

  • tr7079
  • 11. März
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. März

Ganz im Norden der Türkei endet das Land in einer schmalen, felsigen Landzunge:

İnceburun, der nördlichste Punkt Anatoliens. Als ich dort ankomme, bin ich allein. Nur der Wind, das Meer und ich.

Der Ort erinnert mich an das Nordkap. Auch hier ist die Landschaft rau und offen, das Licht kühl, der Wind ungebändigt. Unter mir brandet das Schwarze Meer gegen die dunklen Felsen, weisse Schaumkronen treiben über das stahlblaue Wasser. Der alte Leuchtturm steht ruhig in dieser Weite, als würde er seit Jahrzehnten schweigend über das Meer wachen.


Die Flora von İnceburun (Kaş, Antalya) wirkt noch schlafend. Sie ist sehr artenreich und umfasst 414 Taxa aus 66 Familien, darunter 28 endemische Arten. Hauptvegetationstypen sind Phrygana, Wald-, Fels- und Dünenlandschaften, dominiert von Fabaceae, Asteraceae und Lamiaceae. Das Gebiet beheimatet geschützte Arten wie Ophrys argolica. Alle scheinen sich zu ducken vor dem kalten, salzigen Wind.

Ich stehe lange dort oben und schaue hinaus. Vor mir nur Meer, bis weit hinter den Horizont. Hinter mir Anatolien. Manchmal sind es gerade diese stillen Orte am Rand der Welt, an denen man sich selbst am deutlichsten spürt.


Am späten Nachmittag erreiche ich Piraziz, einen kleinen Ort an der langen Küstenlinie des Schwarzen Meeres. Die Strasse folgt hier eng dem Wasser, und das Meer liegt nur wenige Meter neben mir, dunkelblau, bewegt, mit weissen Schaumstreifen im Wind.

Die Hügel rund um Piraziz gehören zu den wichtigsten Haselnussregionen der Welt. Fast jeder Hang ist mit Haselnusssträuchern bepflanzt. Die Türkei produziert rund 70 % der weltweiten Haselnüsse, und ein grosser Teil stammt aus dieser Region.

Der Wind vom Meer ist kühl, und die Luft riecht nach Salz. Es sind oft gerade diese kleinen Orte, die man nicht geplant hat, die sich am Ende besonders einprägen. Eine Rast im Pentahor Otel, am Rand des Schwarzen Meeres, ein Ort, der seine eigene stille Geschichte erzählt und mich aufwärmt.

Vielleicht noch etwas zur Schwarzmeer Küstenstrasse generell: der erste Abschnitt ab Istanbul ist kritisch, weil die Strässchen klein und sehr oft unbefestigt sind. Auch fährt man oft weg von der Küste und muss grosse Höhenunterschiede mit vielen Haarnadelkurven in Kauf nehmen. Mit dem Motorrad ist das fein. Der Abschnitt Amasra bis Sinop ist sehr einfach, eine Schnellstrasse, manchmal zweispurig. Ab Sinop ist es eine Schnellstrasse bzw Autobahn, pro Richtung zwei- oder dreispurig. Wenn man staunt, dass Google Maps für eine 400km Strecke über 7 Std veranschlagt, dann liegt das nicht an der Höchstgeschwindigkeit (90-110km/h) sondern an den endlos vielen Lichtsignalen. Der gesamte Verkehr hält an, fährt wieder los, um in 500m bei der nächsten Ampel wieder zu stoppen. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig, ich empfand es als lästig. Es gibt keine Alternative bis an die georgische Grenze.

 

 

 
 
 

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