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14.3.26 Gleiches Meer – anderes Land, ein Grenzübertritt mit Tiefe

  • tr7079
  • 14. März
  • 2 Min. Lesezeit

Heute verlasse ich die Türkei und betrete zum ersten Mal in meinem Leben Georgien. Ein stiller, fast unspektakulärer Moment – und doch einer, der sich einprägt. Der Grenzübertritt verläuft erstaunlich unkompliziert. Auf der türkischen Seite muss ich noch eine kleine Formalität erledigen: eine Geschwindigkeitsbusse von umgerechnet CHF 5.70. Danach öffnet sich die Schranke zur nächsten Etappe meiner Reise.


Auf georgischer Seite interessiert sich der Zöllner freundlich für meine Ausrüstung. Mit einem Lächeln stellt er fest, dass in jedem meiner Koffer eine sauber aufgeklebte Liste mit dem Inhalt steckt. Es wirkt fast so, als würde ihn diese kleine Ordnung erfreuen. Nach nicht einmal dreißig Minuten bin ich tatsächlich schon durch – ein Grenzübertritt, wie man ihn sich nur wünschen kann.


In Georgien darf ich die Wohnung eines alten Freundes nutzen. Sie liegt in Chakvi, etwa vierzehn Kilometer nördlich von Batumi, in einer Hotel- und Ferienanlage mit dem vielversprechenden Namen Dreamland Oasis.

Die Anlage ist schön gestaltet, großzügig angelegt, mit gepflegten Gärten und weiten Wegen. Doch jetzt, in der Nebensaison, wirkt sie fast ein wenig wie eine Kulisse vor der Vorstellung: still, menschenleer, wartend. Von acht Restaurants hat nur eine Bar geöffnet, die Pools sind noch ohne Wasser, und kaum jemand ist zu sehen.

Aber gerade diese Ruhe hat auch ihren Reiz. Endlich kann ich wieder einmal einen Kühlschrank füllen – mit einfachen Dingen, die unterwegs schnell zu kleinen Luxusmomenten werden.


Lange bleibe ich jedoch nicht in der Wohnung. Das Wetter soll in den nächsten Tagen umschlagen, also mache ich mich gleich auf nach Batumi.

Die Stadt empfängt mich lebendig und überraschend. Am Hafen sitzen Fischer dicht nebeneinander auf der Kaimauer.

Ihre Bewegungen folgen einem fast musikalischen Rhythmus: Rute auswerfen, kurz warten, ein schneller Zug – und wieder gleitet ein Fisch aus dem Wasser, direkt zwischen den vertäuten Schiffen hervor. Einer nach dem anderen. Ein stilles, zugleich heiteres Schauspiel.

Und dann ist da die Architektur Batumis. Sie ist kühn, verspielt, manchmal fast übermütig. Alte Häuser aus der Zeit des Zarenreichs stehen neben futuristischen Türmen aus Glas und Stahl. Minarette, Palmen, moderne Hochhäuser und klassizistische Fassaden – alles scheint sich hier zu begegnen, als würde die Stadt selbst erzählen wollen, dass sie immer schon ein Ort zwischen Welten war.

Batumi wirkt auf mich wie eine Stadt am Rand vieler Geschichten – dort, wo Europa langsam in den Kaukasus übergeht und das Schwarze Meer seine eigene Weite entfaltet.

Und ich spüre: Ein neues Kapitel dieser Reise hat begonnen.


 
 
 

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