top of page

15.3.26 Ein stiller Tag in Batumi

  • tr7079
  • 15. März
  • 2 Min. Lesezeit

Heute verbringe ich den Tag in Batumi. Die Stadt empfängt mich überraschend ruhig.

Vielleicht liegt es an der Nebensaison, vielleicht auch daran, dass Batumi trotz seiner modernen Fassaden eine gewisse Gelassenheit bewahrt hat. Die Straßen sind nicht hektisch, die Menschen gehen ihrem Alltag nach, und über allem liegt diese entspannte Atmosphäre einer Stadt am Meer.

Mein Weg führt mich zuerst zur berühmten Skulptur Ali and Nino Statue an der Uferpromenade.


Die beiden Figuren bewegen sich langsam aufeinander zu, durchdringen sich und trennen sich wieder – eine stille, fast poetische Darstellung einer Liebe zwischen zwei Kulturen. Ich bleibe eine Weile stehen und beobachte das langsame Spiel aus Stahl, Meer und Wind.

Später spaziere ich durch die Altstadt zu Piazza Square

und weiter zum Europe Square. Beide Plätze wirken fast mediterran. Fassaden mit Balkonen, kleine Cafés, ein wenig Musik aus offenen Türen – und über allem dieses weiche Licht des Schwarzen Meeres.

Besonders faszinierend sind die kleinen Straßen dazwischen. Manche wirken wie Themen-Gassen. In einer sitzen mehrere Uhrmacher dicht beieinander über ihren Werkbänken. In der nächsten arbeiten Schneiderinnen an Nähmaschinen, weiter folgen Coiffeursalons, Brillenläden und Wechselstuben. Es sind keine großen Geschäfte, sondern kleine Läden und Werkstätten. Einkaufszentren sucht man hier fast vergeblich.

Stattdessen lebt die Stadt von diesen kleinen Orten des Handwerks.

In einer Wechselstube bleibe ich stehen. Der Kurs ist überraschend fair. Spontan tausche ich auch genug Rubel – man weiß nie, wann man sie auf einer langen Reise noch gebrauchen kann.

Was mich immer wieder berührt, ist die Freundlichkeit der Menschen. Ein Lächeln hier, ein kurzes Gespräch dort – Batumi wirkt offen und herzlich.

Ein besonderer Moment erwartet mich in der Armenian Apostolic Church of Batumi.

Als ich eintrete, hat gerade ein Teil der Messe begonnen. Gesang erfüllt den Raum, getragen und ruhig. Kerzenlicht, Weihrauch und die Stimmen der Sänger schaffen eine Atmosphäre, die sofort zur Stille einlädt. Ich bleibe einige Minuten und höre einfach zu.

Später stehe ich vor dem Gebäude der Batumi City Hall.

Es wirkt repräsentativ und erinnert mit seiner Architektur fast an ein europäisches Rathaus. Batumi scheint viele Einflüsse in sich zu vereinen – kaukasische, osmanische, russische und europäische.

Batumi hat heute nicht mit großen Sensationen beeindruckt. Vielmehr mit kleinen Beobachtungen: Handwerker in ihren Werkstätten, Gesang in einer Kirche, freundliche Menschen auf der Straße.

Vielleicht ist genau das das Wesen dieser Stadt. Sie drängt sich nicht auf. Sie erzählt ihre Geschichte leise – Schritt für Schritt, Gasse für Gasse.


Am Abend treffe ich noch auf drei Pferde.


 
 
 

Kommentare


bottom of page