17.3.26 Ali und Nino – Begegnung im Fluss der Zeit
- tr7079
- 17. März
- 2 Min. Lesezeit
Am Rand des Meeres, dort, wo der Wind Geschichten trägt, stehen sie sich gegenüber: Ali und Nino. Zwei Gestalten aus Stahl – und doch so lebendig, als würden sie atmen.

Ihre Geschichte reicht weiter als dieser Ort. Sie wurde erzählt von Kurban Said – eine Liebesgeschichte zwischen Welten:
Ali, ein muslimischer Junge aus Aserbaidschan.
Nino, eine christliche, georgische Prinzessin.
Zwei Herkunftslinien, zwei Glaubenswelten, zwei Blickrichtungen auf die Welt und doch ein gemeinsamer Herzschlag.
Langsam setzen sich die Figuren in Bewegung. Unaufhaltsam, wie zwei Leben, die sich suchen.
Es ist kein hastiges Näherkommen. Kein stürmisches Aufeinandertreffen. Es ist ein stilles, beinahe würdiges Annähern, als wüssten beide, dass der kostbarste Moment nicht das Ankommen ist, sondern das Dazwischen.
Dann geschieht es.

Sie durchdringen einander. Grenzen lösen sich auf, Formen verlieren ihre Schärfe, und für einen flüchtigen Augenblick existiert nur noch Einheit.
Vielleicht ist es das, was Liebe im Kern bedeutet.
Doch ebenso leise, wie sie sich gefunden haben, beginnen sie sich wieder zu entfernen. Kein Bruch, kein Drama, nur ein sanftes Weiterziehen, als folgten sie einer Ordnung, die grösser ist als ihr eigener Wille.
Ich stehe da und schaue. Und irgendwo zwischen diesen Bewegungen erkenne ich etwas Vertrautes.
Begegnungen, die mich geprägt haben. Menschen, die für einen Moment Teil meines Weges waren. Nähe, die sich nicht festhalten lässt und gerade darin ihre Tiefe findet.
Das Meer rauscht leise im Hintergrund. Und Ali und Nino beginnen von vorn.
Ich wandle verzückt noch ein bisschen durch Batumi.



Im Wasser zwischen den Welten
Wie jeden Morgen bin ich ins Meer gegangen. Neun Grad – und doch fühlte es sich fast mild an, im Vergleich zu dem, was mein Körper aus den stillen Wassern der 3 Weihern kennt.

Und dennoch: Das Meer ist ein anderes Gegenüber. Es empfängt nicht still. Es bewegt sich, atmet, hebt und senkt dich, als wolltest du nicht nur eintauchen, sondern dich ihm anvertrauen.
Kein Schock – eher ein bewusstes Öffnen. Die Haut zieht sich zusammen, der Atem wird ruhiger, und mit jedem Schritt ins Wasser verliere ich ein Stück Kontrolle und gewinne zugleich eine andere Form von Präsenz.
Hier gibt es keinen geschützten Rahmen, keinen vertrauten Einstieg, keine ruhige Oberfläche. Nur Weite. Nur Rhythmus. Nur das Jetzt. Ich lasse mich ein auf diese Bewegung. Auf das Spiel zwischen Halten und Loslassen. Zwischen Kälte und Lebendigkeit.
Und für einen Moment bin ich nicht Beobachter, sondern Teil dieses grossen, atmenden Körpers.

Als ich wieder heraussteige, trägt mich nicht nur die Wärme, die langsam zurückkehrt. Es ist etwas anderes, Tieferes: Eine leise Dankbarkeit, für diesen Körper, der fühlt, für dieses Wasser, das mich aufgenommen hat, und für diesen Augenblick, der ganz mir gehört.



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