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22.3.26 Spiegel der Zukunft

  • tr7079
  • 22. März
  • 2 Min. Lesezeit

Am südlichen Rand von Batumi, dort, wo die Stadt sich neu erfindet, liegt ein Ort, der zugleich laut und still ist. Der "New Boulevard".


Glas und Beton wachsen hier in den Himmel, kühn geformt, beinahe verspielt – als wollten die Gebäude selbst zeigen, dass Zukunft keine starre Linie ist, sondern eine Idee, die sich ständig neu zeichnet.

Das Courtyard-Hotel steht wie ein geöffnetes Auge, ein Tor, das den Blick hindurchführt – hinein in eine Welt, die noch im Werden ist.

Und doch: Vor all dem liegt Wasser.


Ein ruhiger See, glatt wie ein Gedanke. Er nimmt die Unruhe der Architektur auf und verwandelt sie in Stille.

Die Türme verlieren im Spiegel ihre Schwere, werden weich, fast poetisch. Was oben nach Fortschritt ruft, wird unten zu einer leisen Erzählung. Vielleicht ist es genau das, was diesen Ort so besonders macht: Nicht die Höhe der Gebäude, sondern die Tiefe ihres Spiegelbilds.

Am Ufer stehen noch die alten Häuser, bescheidener, menschlicher, fast wie Zeugen einer anderen Zeit. Sie schauen hinüber zu den neuen Riesen – ohne Eile, ohne Urteil.

Batumi scheint hier beides zu sein: Erinnerung und Aufbruch.

Und ich stehe dazwischen, blicke über das Wasser und habe das Gefühl, dass die Zukunft manchmal am klarsten sichtbar wird, wenn sie sich spiegelt.

Ich stehe vor der riesigen Baugrube und betrachte die Visualisierung des entstehenden ORBI Gebäudes
Ich stehe vor der riesigen Baugrube und betrachte die Visualisierung des entstehenden ORBI Gebäudes

 

Was das Meer zurückgibt

Ich gehe am Strand entlang, und zwischen den runden, stillen Steinen liegt die Geschichte unserer Zeit.

Flaschen, Deckel, zerriebene Fragmente von etwas, das einmal nützlich war, jetzt nur noch Zeugnis.

Das Meer ist kein Vergesser. Es bewahrt nichts, aber es vergisst auch nichts.

Was wir ihm geben, legt es uns irgendwann wieder vor die Füße.

Still. Ohne Vorwurf. Und gerade deshalb so unübersehbar.

(Zur Erklärung, das Schwarze Meer ist ein Sammelbecken von 23 Ländern, mit Dnjepr und Donau, der Abfall ist also kein lokales Phänomen aber ein lokales Problem. Die Wasserqualität gilt aber als sehr gut.)

 

Ein Versprechen aus Süden

Bei meinen Wanderungen am Schwarzen Meer fallen mir die vielen Palmen auf. Ich erkenne: Kanarische Dattelpalmen, Hanfpalmen und Washingtonia-Palmen:

Diese Sorten sind bedingt winterfest, bis etwa -8° ertragen sie. Dennoch vermutet man in diesem Klima keine Palmen.

Ich halte fest:

Die Palmen hier sind keine Selbstverständlichkeit.

Sie sind ein Versprechen.

Dass selbst an einem Ort, an dem der Winter kommen kann, etwas wächst, das nach Süden aussieht.

 
 
 

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