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26.3.26 Chronicle of Georgia – Monument zwischen Himmel und Geschichte

  • tr7079
  • vor 7 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Am Rand von Tiflis erhebt sich die Chronicle of Georgia wie ein steinernes Gedächtnis.

Geschaffen wurde dieses monumentale Werk vom georgischen Künstler Zurab Tsereteli in den 1980er-Jahren – ein Projekt, das bis heute unvollendet wirkt und gerade dadurch etwas Zeitloses ausstrahlt. Die Georgische Chronik besteht aus 16 massiven Bronzesäulen, die 30 bis 35 Meter hoch sind und mich als Menschen klein und unbedeutend erscheinen lassen.

Die gewaltigen Säulen scheinen nicht gebaut, sondern gewachsen. Oben erzählen Reliefs von Königen, Heiligen und der Geschichte Georgiens, unten biblische Szenen, als würde sich hier das Irdische mit dem Ewigen verweben.

Und während man die Treppen hinaufsteigt, wird man unweigerlich kleiner, stiller. Es ist kein Ort, den man „besichtigt“. Es ist ein Ort, der einen selbst betrachtet.


Vor verschlossener Tür

Die kleine Kapelle am Fuss der gewaltigen Säulen blieb mir verschlossen. Und doch war sie da, still, gesammelt, beinahe zurückhaltend.

Sie ist dem georgisch-orthodoxen Glauben gewidmet.

Aussen erzählen Reliefs von Kirchen, von Glauben, von Jahrhunderten gelebter Spiritualität. Innen, so stelle ich es mir vor, Kerzenlicht, Ikonen, leise Gebete.

Während oben die Geschichte laut in Stein spricht, antwortet hier unten die Stille.

Vielleicht muss man diese Tür gar nicht öffnen. Vielleicht genügt es, davor zu stehen und zu spüren, dass hinter ihr kein Raum beginnt, sondern eine andere Richtung: nach innen.

Tiflis Reservoir – Wasserquelle der Stadt (Trinkwasserspeicher, Regulierung, Erholungsgebiet)
Tiflis Reservoir – Wasserquelle der Stadt (Trinkwasserspeicher, Regulierung, Erholungsgebiet)

 

Dry Bridge Market – Das gelebte Heute in all seinen Spuren

Ganz anders der Dry Bridge Market, ein offenes Archiv des Alltags. Hier liegt nicht die grosse Geschichte aus Stein, sondern die kleine, berührbare Geschichte auf Tischen ausgebreitet.

Uhren, die längst stehen geblieben sind. Abzeichen vergangener Systeme. Werkzeuge, die ein Leben lang in Händen lagen. Und dazwischen: textile Handwerkskunst, gefilzte Taschen, Hüte, Decken, in einer Farbenpracht, die fast leuchtet. Wolle, geformt von Händen, die Tradition tragen, ohne laut davon zu sprechen.

Selbst einzelne Nägel oder Schrauben finden hier ihren Platz – als hätten auch sie ihre eigene Biografie.

Man spürt: Nichts wird hier einfach weggeworfen. Alles hat einen Rest von Wert, von Erinnerung, von Bedeutung.

 

 
 
 

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