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29.3.26 Dawit Garedscha – Stille, Stein und ein Hauch von Ewigkeit

  • tr7079
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Heute führte mich der Weg zum Kloster Dawit Garedscha, eine Reise, die schon in der Anfahrt ihren eigenen Charakter zeigt. Die letzten zwölf Kilometer: Schotter, aufgeweichter Boden, Spuren von Regen.

Der Weg fordert Aufmerksamkeit, Geduld – und vielleicht auch ein kleines Vertrauen darauf, dass sich die Mühe lohnt.

Hinzu kommt eine besondere Spannung: Die Strecke verläuft unmittelbar entlang der Grenze zu Aserbaidschan. Immer wieder tauchen Hinweisschilder auf, die unmissverständlich klar machen, dass man sich in einer sensiblen Zone bewegt, Grenzgebiet, Zutritt nur mit spezieller Bewilligung.

Es ist ein eigenartiges Gefühl: Weite, Einsamkeit und gleichzeitig die unsichtbare Linie einer politischen Grenze, die hier draussen plötzlich sehr real wird.

Und doch: Die Mühe lohnt sich.

Die Klosteranlage liegt still in der kargen Landschaft, fast wie aus dem Felsen gewachsen. Höhlen, Mauern, Kirchenräume, alles wirkt reduziert, schlicht und zugleich von einer tiefen Würde getragen. Kein Prunk, kein Überfluss. Nur Stein, Klänge, Licht und Zeit.

Das Eindrücklichste aber war die Messe, heute am Palmsonntag.

Unverhofft durfte ich teilnehmen – ein Moment, der sich kaum planen lässt. Die Gesänge der Georgisch-Orthodoxe Kirche erfüllen den Raum, getragen, ruhig, beinahe zeitlos. Ich verstehe die Worte vielleicht nicht und doch verstehe ich alles. Es ist weniger ein Zuhören als ein Mitgehen, ein stilles Dazugehören für diesen einen Augenblick.

Auf dem Rückweg verändert sich die Stimmung. Ich halte mehrmals an. In der weiten, offenen Landschaft ziehen Herden vorbei, Schafe, Ziegen, Esel, Pferde. Hirten mit ihren Kangals, begleiten sie mit einer Selbstverständlichkeit, die tief berührt. Es sind einfache Bilder, und doch tragen sie eine stille Schönheit in sich, als wären sie seit Jahrhunderten unverändert.

Draussen die Weite, die Tiere, das langsame Ziehen der Herden. Innen noch das Echo der Stimmen.

Ein Tag, der beides in sich trägt: die Tiefe des Spirituellen und die Ruhe des einfachen Lebens.

 

 
 
 

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