3.4.26 Aufbruch und Bruch
- tr7079
- vor 4 Tagen
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Der Tag beginnt leicht. Batumi liegt noch ruhig im Morgen, und der Grenzübertritt gelingt fast mühelos, eine halbe Stunde, kaum Wartezeit, ein stilles Weitergleiten. Es ist einer dieser seltenen Momente auf Reisen, in denen alles fliesst.
Die Strasse entlang des Schwarzen Meeres führt mich südwärts, das Wasser zur Rechten, die Hügel zur Linken.

Höhe Rize (Türkei), der Verkehr gleichmässig, die Gedanken weit, dann ein einziger, harter Knall. Stille. Die Kette ist gerissen.
Was eben noch Bewegung war, wird abrupt zum Stillstand. Öl tropft auf den Asphalt, zu viel, um es zu ignorieren. Die Ölwanne muss beschädigt sein. Für einen Moment steht alles in der Schwebe – nicht nur das Motorrad, auch die Reise.



Und doch: Hilfe kommt schnell. Die MOBILIAR reagiert sofort, organisiert einen Abschleppdienst, ausgerechnet am Karfreitag. Ein leiser Gedanke streift mich: Wie relativ doch unsere Feiertage sind, wie unterschiedlich die Rhythmen der Welt.
In der Werkstatt dann die nüchterne Realität. Ersatzteile? Nicht kurzfristig. Also bleibt nur das, was auf Reisen oft zählt: Improvisation. Können, Erfahrung, ein wenig Mut zum Unkonventionellen. Die Abdeckung soll mit Flüssigmetall geklebt werden.
Ich bin unverletzt. Das ist es, was zählt.
Die Himalayan, meine treue Begleiterin, wird nun in fremden Händen geflickt, mit dem, was verfügbar ist. Hat sie mich doch nun schon sehr weit zuverlässig getragen, über 2’400m hohe Pässe, mit Schneesturm und grossen Schlaglöchern, Tagesetappen von 700km ohne Probleme. Vielleicht lässt sie sich flicken, vielleicht nicht. Aber im Moment genügt die Hoffnung.
Reisen heisst nicht nur Aufbruch. Es heisst auch Unterbruch. Annehmen, was kommt. Weitergehen, anders als geplant.



Angekommen in einem einfachen Hotel in Rize, zieht es mich sofort wieder hinaus. Auf die Strasse. Ins Leben. Stimmen, Lachen, geschäftiges Handeln, alles pulsiert, warm und nah. Der Markt ist voller Leben, für 100 TL (hier nicht Teelöffel), gibt es ein ganzes Paketi U-Buxen.





Mehr pantomimisch als sprachlich bestelle ich Lammeintopf (der Karfreitags-Schafbock), koste von dem, was die Küche hergibt. Einfach, ehrlich, wunderbar. Einen Ayran dazu und einen Çay zum Abrunden.

Und plötzlich ist da wieder dieses Gefühl: getragen zu sein.
Trotz allem, oder vielleicht gerade deshalb.



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