7.3.26 Zwischen Brücken, Nebel und dem Meer
- tr7079
- 7. März
- 2 Min. Lesezeit
Zwischen Marmarameer und Schwarzem Meer liegen drei Tage voller Gegensätze: enttäuschter Luxus, kleine Begegnungen am Wegesrand, eisiger Nebel und lange Stunden im Sattel. Am Ende wartet Amasra mit Sonne, Fisch und herzlichen Menschen – während jenseits des Meeres der Krieg näher ist, als man denkt.
Von Çanakkale führt mich die Reise weitere 430 Kilometer in Richtung Marmarameer. Nach den langen Etappen der letzten Tage gönne ich mir ein Fünf-Sterne-Spa-Hotel – ein kleiner Luxus, so denke ich. Doch manchmal hält die Wirklichkeit wenig von Sternen: Das Haus wirkt etwas schmuddelig, das WLAN funktioniert kaum und das Essen bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. So wird der Aufenthalt eher zu einer kurzen Pause als zu einem Genuss.
Lohnend sind dagegen zwei kleine Abstecher.

Einer führt mich zur berühmten Bosphorus Bridge, der ersten Brücke über den Bosporus.
Sie wurde 1973 eröffnet und verbindet Europa mit Asien. Mit rund anderthalb Kilometern Spannweite ist sie etwa halb so lang wie die gewaltige 1915 Çanakkale Bridge, die ich zuvor überquert habe. Für Fussgänger ist die Bosporusbrücke heute gesperrt – nachdem sich in den ersten Jahren mehr als hundert Menschen von ihr in die Tiefe gestürzt hatten. Nach Istanbul fahre ich bewusst nicht hinein. Grosse Städte meide ich auf dieser Reise. Die Nachrichten vom Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA begleiten die Route ohnehin wie ein fernes Donnergrollen – und ich halte lieber Abstand zu den grossen urbanen Brennpunkten.

Der zweite Abstecher führt zu einer kleinen Vogelbeobachtungsstation – ein stiller Ort, an dem das Land für einen Moment weit und ruhig wird.

Unterwegs begegnen mir zwei Kangal-Welpen. Sie kommen auf mich zugestürmt wie kleine Teddybären, tapsig und voller Lebensfreude. Für einen Moment ist die Welt einfach und leicht.


Auf der Rückfahrt fällt der erste Regen der Reise. Kurz – aber heftig. Dicke Tropfen trommeln auf Helm und Jacke, als wollten sie mich daran erinnern, dass auch der Frühling hier noch seine rauen Seiten hat.
Am nächsten Tag geht es weiter, fast 400 Kilometer bis ans Schwarze Meer. In der Ebene zwischen İzmit und Denizköy fahre ich plötzlich in eine Wand aus Nebel. Die Sicht wird milchig, die Luft eisig. Am Visier friert die Feuchtigkeit fest – eine unangenehme, klamme Kälte begleitet mich viele Kilometer.

Doch kaum erreiche ich das Meer, löst sich der Nebel auf wie ein Vorhang.
Ich bleibe auf der Küstenstrasse. Manche Abschnitte bestehen nur aus Schotter und Schlamm, und oft gibt es nur wenige freie Fenster zum Meer. Die Strecke ist rau und anstrengend – landschaftlich nicht immer ein Gewinn.
Nach mehr als sieben Stunden im Sattel taucht endlich Amasra vor mir auf.



Was für eine Wohltat. Sonne. Sechs bis acht Grad. Ein wunderschönes Fischerdorf, das sich um zwei kleine Buchten schmiegt. Ich finde ein Zimmer im charmanten Işıkaltın Otel. Die Menschen hier sind herzlich – im Hotel, auf der Strasse, in den kleinen Restaurants am Hafen.
Ich glaube, ich bleibe zwei Nächte.

Während ich am Ufer sitze und frischen Fisch esse, wandern meine Gedanken nach Norden über das Schwarze Meer – nach Odessa und Kherson. Dort herrscht Krieg.
Hier schlagen die Wellen ruhig gegen die Steine, Möwen kreisen über dem Hafen, und ein warmer Teller Fisch steht vor mir.
Ich denke an jene, die das gerade nicht können.



Lieber Freund
Das ist echt beeindruckend. Wie gut, dass du dir dort 2 Tage gönnst zum „auftanken“ fur Körper, Seele und Geist.
All das Neue sowie das Fahren sind nicht ganz ohne, brauchen Energie.
Sei bewahrt und genieße es!
Maria