9.3.26 Zwischen Meer und Bergen – von Amasra nach Sinop
- tr7079
- 9. März
- 2 Min. Lesezeit
Die Strecke von Amasra nach Sinop misst auf der Karte rund 400 Kilometer. Auf der Strasse werden daraus schnell siebeneinhalb Stunden – eine lange, kurvige Reise entlang der wilden Schwarzmeerküste. Gleich zu Beginn muss ich die Kette nachspannen.

Ich folge meist kleinen, manchmal sogar unbefestigten Strassen. Die Route führt über Akbayır,

Doğanyurt, İnebolu, Abana, Türkeli und Ayancık.

Immer wieder scheint die Strasse direkt an der Küste zu verlaufen – und doch stimmt das nur halb. Sie zieht sich in weiten Bögen ins Landesinnere, steigt über Hügel und Bergrücken, um später wieder zum Meer zurückzukehren.


Manchmal fahre ich so hoch, dass am Strassenrand noch Schnee liegt. Die Luft ist kühl, zwischen minus einem und acht Grad. Der Frühling tastet sich hier oben erst vorsichtig heran.
Die Schwarzmeer-Küstenstrasse – lohnt sie sich?
Ich würde sagen: bedingt. Mit dem Motorrad machen die vielen Haarnadelkurven grosse Freude. Doch oft liegt mitten in der Kurve Schlamm oder Kies, von kleinen Erdrutschen oder von den Lastwagen der Dörfer. Man fährt aufmerksam, konzentriert, manchmal vorsichtig. Und doch: Immer wieder öffnen sich diese wunderbaren Blicke. Tief unten das Meer, dunkelblau, mit weissen Schaumkronen. Lange Sandstrände, die sich zwischen steilen Hügeln ausbreiten. Ein raues, kraftvolles Stück Küste.


Weniger romantisch sind die Hunde. Immer wieder rennen sie plötzlich auf die Strasse, direkt auf das Motorrad zu, bellend und manchmal mit der klaren Absicht zu beissen. Man darf nicht erschrecken, sonst wird es gefährlich. Ruhig bleiben, Geschwindigkeit halten – und weiterfahren.
Noch anspruchsvoller sind die Schafherden, die unvermittelt die Strasse füllen. Mitten darin gehen meist ein oder zwei Kangals, die mächtigen Herdenschutzhunde Anatoliens.

Hier hilft keine Eile. Ich halte an, spreche ruhig, warte geduldig, bis sich die Herde langsam bewegt und der Weg wieder frei wird.
Am späten Nachmittag erreiche ich Sinop. Ich wohne im Otel Bossinop, direkt am Meer. Die Wellen rollen gegen die Küste, und nach diesem langen Fahrtag fühlt sich der Ort wie ein ruhiger Hafen an.
Hier bleibe ich erst einmal zwei Tage.

Sinop hat viel zu erzählen – und ich freue mich darauf, diese alte Stadt am Schwarzen Meer langsam zu entdecken.



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